Wort für die Woche

Wort für die Woche - Nach dem Dunkel kommt…

Den kommenden Sonntag bezeichnen wir als Totensonntag oder auch Ewigkeitssonntag.

Während das kalendarische Jahr erst an Silvester, am 31. Januar endet, geht das Kirchenjahr bereits mit dem Ewigkeitssonntag zu Ende. Und obwohl die Kirchen insgesamt an Bedeutung verloren haben, prägt doch das Kirchenjahr nach wie vor unseren Jahresrhythmus: Ferien werden geplant um die Feiertage Weihnachten, Ostern und Pfingsten herum. Wie wertvoll uns die kirchlichen Feste sind, wie sehr wir sie brauchen, weil sie uns heilsame Auszeiten, Begegnungen und Feiern bescheren. Das wird uns vielleicht in diesem Jahr besonders bewusst. Denn diese Adventszeit, und auch das Weihnachtsfest, werden sicher anders ausfallen, als die Jahre zuvor. Aber vielleicht kann sich darin auch der tiefere Sinn des Kirchenjahres insgesamt für uns neu erschließen:
Am Sonntag ist Ewigkeitssonntag: Trauer, Erinnerung an Menschen, die uns im vergangenen Jahr verlassen haben, bekommen noch einmal Raum, auch dadurch, dass Ihre Namen in den Gottesdiensten verlesen werden. Darunter werden wir in diesem Jahr auch vieler gedenken, die der Pandemie bei uns und weltweit zum Opfer gefallen sind. Ja, das Kirchenjahr klammert Schmerz und Leid, manches Rätsel eines viel zu frühen und schmerzlichen Todes nicht aus. Im Kirchenjahr haben daher auch menschliche Krisen und Katastrophen einen Platz und müssen nicht verdrängt werden. Doch schon eine Woche später zünden wir die erste Kerze auf dem Adventskranz an. Und damit beginnt mit dem neuen Kirchenjahr eine Zeit des Wartens auf das Fest der Feste: Weihnachten.

Das Kirchenjahr lehrt uns darauf zu vertrauen, dass nach dem Dunkel, nach Trauer und Schmerz, jedes Jahr das Licht der Hoffnung folgt, das in der Geburt Jesu gipfelt.

Es sind in diesem Jahr sicher die Zahlen von Neuinfektionen und Coronaerkrankten, die unsere Gedanken in Beschlag nehmen wollen. Doch lassen Sie uns dabei auch den Blick über den Horizont hinaus nicht vergessen, den uns das Kirchenjahr lehrt: Nach dem Dunkel kommt ein neuer Morgen, Leid und Krankheit werden nicht das letzte Wort behalten. Mit der kommenden Adventszeit können wir bereits den Blick erheben und dem Fest zuversichtlich entgegengehen. Und wie immer wir Weihnachten in diesem Jahre feiern werden; ausfallen wird weder die Adventszeit noch Weihnachten. Ausfallen wird nicht die Botschaft,  die um die Welt geht: „Siehe ich verkündige euch groß Freude.“

In Vorfreude auf eine ganz andere vorweihnachtliche Zeit,
ihr Pfarrer Dr. Hansjörg Schemann