Auf ein Wort

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Gedanken für die Woche:  Vorbilder

Bild von Pfr. Dr. Hansjörg Schemann

Mich haben die Paralympischen Spiele in diesem Jahr mehr beeindruckt, als die Olympischen Spiele selber. Mit 43 Medaillen gab es in Tokio zwar sechs mehr als vor fünf Jahren, aber das war es nicht. Fasziniert hat mich, zu welchen sportlichen Leistungen die Frauen und Männer trotz ihrer gravierenden körperlichen Einschränkungen fähig sind: Tischtennis und Basketballspieler*innen bewegen sich mit unfassbarem Geschick in ihren Rollstühlen auf den Spielfeldern, Sprinter*innen erreichen mit ihren Prothesen erstaunliche Geschwindigkeiten. Sehbehinderte Menschen finden sich bei ganz vielen Sportarten.

Wer mir aber den größten Respekt abverlangt hat, waren Sportler*innen, die ohne Arme bzw. ohne Beine an Schwimmwettkämpfen teilgenommen und um Medaillen gekämpft haben. Erstmals dabei der Erlanger Josia Topf, der ohne Arme und Kniegelenke geboren wurde.  Von ihm heißt es in einem Kommentar: „Der 18-jährige mit blonden Haaren gleitet wie ein Fisch durchs Wasser“.  Und da ist die jüngste britische Paralympics-Starterin, Ellie Challis. Mit 16 Monaten hatte sie eine Hirnhautentzündung, beide Beine und beide Unterarme mussten ihr amputiert werden. Ein Delphin hatte sie vor Jahren dazu inspiriert, mit dem Schwimmen zu beginnen. Mittlerweile ist Challis 17 Jahre alt und schwamm in Tokio um paraolympisches Edelmetall.

Stellen wir uns einen Moment lang vor, wir müssten ohne Beine und Arme schwimmen. Was für eine Kraft und Ausdauer beim Training muss in diesen Menschen stecken, um sich hier in einen Wettkampf zu begeben Ganz abgesehen von den Problemen, die bei derartigen körperlichen Einschränkungen im Alltag zu bewältigen sind, vom Einkaufen bis zum Kochen zu Hause. Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands Friedhelm Julius Beuche bezeichnet daher diese Ausnahmesportler als »Leuchttürme für ihre Sportart, aber auch für die Gesellschaft« Obwohl die Olympischen Spiele der Neuzeit erst 1894 eingeführt wurden, so reichen ihre Ursprünge bis ins 2. vorchristliche Jahrtausend zurück. Der Lauf um eine Trophäe ist daher ein bekanntes Motiv, das auch bei dem Apostel Paulus zu finden ist. Er ermutigt seine Gemeinden mit diesem Vergleich, im Ringen und Kämpfen um den Glauben nicht nachzulassen, sondern sich ausdauernde Sportler zum Vorbild zu nehmen (2.Tim.4,7; 1.Kor.9,24-27). Schließlich gehe es im Glauben um einen Siegeskranz, der nicht mit Geld zu bezahlen sei.

Ja, das Leben kann zuweilen ein anstrengender Kampf sein. In den Wirrnissen und manchen Niederlagen den Mut und den Glauben nicht zu verlieren, da braucht es Ausdauer aber auch Vorbilder. Für mich sind die paraolympischen Sportlerinnen und Sportler solche Vorbilder. Sie ermutigen mich, auch bei Tiefschlägen und mancherlei persönlichen Einschränkungen, der biblischen Verheißung zur vertrauen: „Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ (Jes.40,31)

Mögen auch Ihnen diese Kräfte immer wieder zufliegen!
Ihr Pfarrer Hansjörg Schemann.