Auf ein Wort

Sie können sich diesen Text auch als Tondatei (Podcast) anhören:

Gedanken für die Woche:  Glauben Sie noch an die Liebe?

Bild von Pfr. Dr. Hansjörg Schemann

Was für eine Frage! Kann man den Glauben an die Liebe verlieren? Kommt darauf an, was für eine Liebe Sie meinen, fragt mein Gegenüber. Ist es die Sehnsucht der 45 jährigen, alleinerziehenden Mutter von zwei Schulkindern, die sich gerne bei jemandem anlehnen möchte? Ist es der Wunsch, des 28 jährigen Berufstätigen in „gehobener Stellung“, der durch seinen Dienst kaum aus dem Haus kommt? Er würde so gerne sein Leben mit einer Partnerin teilen.

Und das sind nur zwei Beispiele von Menschen, die in Kleinanzeigen auf Internetportalen oder auch ganz allein für sich auf der Suche nach der Liebe sind.

Wer nach der Liebe sucht, der hat den Glauben daran noch nicht verloren.
Und das gilt auch für alle, die bereits in Beziehungen leben. Ich glaube, die Suche nach der Liebe hört niemals auf. Sie äußert sich auch in der all-täglichen Frage: „Was ich tun, um Dir meine Liebe zu zeigen, wie kann unsere Liebe zueinander weiter wachsen?“

Wer aufhört, nach der Liebe zu suchen und zu fragen, der verpasst wohl den tieferen Sinn des Lebens. Der Apostel Paulus wagt sogar, die Liebe über alles zu stellen, selbst über den Glauben und die Hoffnung, wenn er in dem bekannten, so genannten Hohelied der Liebe schreibt: „Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Doch am größten von ihnen ist die Liebe.“ (1.Kor.13,13). Dies ist einer der am häufigsten ausgewählten Sprüche für kirchliche Trauungen. Ich erinnere dann gerne daran, dass hier nicht allein die zwischenmenschliche Liebe gemeint ist: Denn zu aller Sehnsucht und allen Fragen nach Liebe, gehört auch die enttäuschte Liebe, die missachtete, ja sogar missbrauchte Liebe. Aber wie gut, dass solche Erfahrungen unseren Glauben an die Liebe nicht erschüttern müssen. Denn es gibt glücklicherweise eine Liebe, die nicht von dieser Welt ist. Sie hat in dem Schöpfer aller Dinge ihren Ursprung. Er hat sie als Sehnsucht tief in unser Herz gelegt, als ständige Erinnerung daran, dass sie tiefere Sinn des Lebens ist.

Weil die Liebe letztlich in ihm, ihre Quelle hat, verlieren alle Erfahrungen von enttäuschter Liebe ihre letzte Kraft. Dafür steht auch das Leben, die Botschaft und die Auferstehung des Mannes, der alle religiösen Gesetze zum Gebot der Nächsten- und Gottesliebe zusammengefasst hat: Jesus Christus.

So lassen Sie uns weiter an die Liebe glauben, was auch geschieht!

Ihr Hansjörg Schemann, Pfarrer, Christuskirche Aschaffenburg